Oskar Staudinger

 

Foto von Lilli Vostry


Ein humorvoller Akt der Selbsterkenntnis

von Lilli Vostry  28. Juli 2018

 

MOPO_28.7._Akt der Selbsterkenntniss

 

DRESDEN – Eine nackte Dame serviert auf einem Tablett die Hochschule für Bildende Künste samt Zitronenpresse und Musenengel obendrauf. Einen witzig-hintergründigen Blick hinter die Fassade der Kunsthochschul-Welt wirft Absolvent Oskar Staudinger (28). Er betrachtet sie in einer Bilderserie mit neun Tuschezeichnungen auf Papier. Zu sehen in der aktuellen Diplomausstellung der HfBK.

 

Im Oktogon und in den neun Atelierräumen zeigen 42 Diplomanden derzeit ihre Abschlussarbeiten. Ein Hingucker sind Oskar Staudingers leichtfüßige, oft schwarzhumorige Zeichnungen in spannungsreichen Schwarz-Weiß-Kontrasten. Sie haben alle das gleiche Format, so wie japanische Holzschnitte. Jedes Bild erzählt eine Geschichte.

Die Ideen dazu trug der 28-Jährige schon lange mit sich herum, bevor sie nun innerhalb von drei Wochen intensiven Zeichnens aus ihm heraus flossen. Wie das eingangs erwähnte Bild „Einführung“ mit der Kunststudentin, die wie eine Kellnerin mit der Zitronenpresse als Terrine posiert. Er zeichnete sie nackt, weil die Kunsthochschul-Szene größtenteils wie das Märchen von des „Kaisers neuen Kleidern“ sei. Oskar Staudinger: „Es gibt einen Drang, die Klamotten sehen zu wollen, aber da ist nichts. Wenn man nicht die große, intellektuelle Idee sieht, gilt man als Dummkopf oder Kulturbanause.“

Oskar Staudinger ist als „Opernkind“ aufgewachsen. Sein Vater war Tenor an der Oper, der Sohn oft bei den Proben dabei und zeichnete, was er sah. Staudinger hat von 2013 bis 2018 Malerei und Grafik bei Peter Bömmels studiert, Abschluss: Sehr gut. Er ist ein Fan des Phantastischen Realismus und deren Vertretern Arik Brauer und Ernst Fuchs. Weitere Vorbilder: Edward Gorey und J. E. Milles. An seine Hochschulzeit denkt Oskar Staudinger mit gemischten Gefühlen. Gute Kunst lebt bekanntlich von Reibung, echter Auseinandersetzung mit den Werken. Stattdessen seien gleich zu Studienbeginn Leinwände von ihm beschädigt worden, erzählt Staudinger. Dann ging das Gerücht um, er sei „Fascho“, nachdem er einmal in einer Ausstellung PEGIDA parodierte, was aber offenbar nicht eindeutig erkannt wurde. „Man redet von Toleranz. Meint aber nur die Leute, die die eigene Meinung haben“, so Staudinger. Darauf nimmt er ironisch Bezug. Auch in einem Blatt, das ihn selbst nackt zeigt, mit Diplom im Spiegel in einem „Akt der Selbsterkenntnis“.

Dem freien Künstlerdasein sieht er zuversichtlich entgegen. Einen Auftrag für eine Buch-Illustration hat er schon, auch tragen einige seiner Tuschezeichnungen bereits rote Punkte und sind verkauft. Darunter das Bild der nackten Kunstkellnerin mit Zitronenpresse.

Lilli Vostry

 


Bilder aus der Tiefe der Träume

 

In reizvoll-rätselhafte Welten zwischen Traum und Wirklichkeit entführt die  Ausstellung von Oskar J. Staudinger unter dem Titel „In fernem Land“ im    Kabarett Breschke & Schuch, die am 30. September um 16 Uhr eröffnet.

 

Von den Präraffaeliten und der japanischen Holzschnittkunst beeinflusst, sind die Bilder des jungen Künstlers Tore zu einer fernen, unerreichbaren Welt. Im Land der ewigen Jugend erhebt sich der Tod mit seiner Strahlenkrone. Mitten im Schneesturm begegnen einander Figuren, von denen man nicht weiß, welche die meiste Wirklichkeit besitzt; Träumen entnommene Bilder, die wiederum Träume bebildern…

http://oskarstaudinger.com/

Die Ausstellung ist bis Anfang Januar 2018 in Saal und Foyer des Dresdner Kabaretts Breschke & Schuch zu sehen.

 

Text: Dresdner Kabarett Breschke & Schuch, Cornelia Resik